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Die Historie der Hochschuldidaktik an der Universität Freiburg

Die Hochschuldidaktik an der Universität Freiburg blickt bereits auf eine langjährige Tradition zurück, die fast 25 Jahre umfasst.

Der Auftrag

Angestoßen wurde die Freiburger Hochschuldidaktik vom Rektorat der Universität in einer Situation, in der politische Forderungen an die Universitäten formuliert wurden, ihre Effizienz in der Lehre zu steigern. Im Frühjahr 1993 forderte der damalige Rektor der Universität Freiburg (Professor Dr. Dr. h.c. Manfred Löwisch) das Institut für Erziehungswissenschaft auf, Überlegungen zu möglichen hochschuldidaktischen Aktivitäten anzustellen.
Die beiden Lehrstuhlinhaber im Fach Erziehungswissenschaft, Prof. Dr. Gunther Eigler und Prof. Dr. Rudolf Tippelt, haben diese Aufforderung aufgenommen und im WS 1993/94 gemeinsam ein erstes Projektseminar für Studierende im Hauptfach Erziehungswissenschaft angeboten, das der Entwicklung eines Programms zur hochschuldidaktischen Weiterbildung dienen sollte.

 



Die Gründung

Zum 1. Oktober 1993 wurde die „Arbeitsgruppe Hochschuldidaktische Weiterbildung an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.“ gegründet, bestehend aus Mitarbeitern/innen des Instituts für Erziehungswissenschaft und Studierenden. Aufgabe der Arbeitsgruppe war es, Veranstaltungen zur hochschuldidaktischen Weiterbildung zu konzipieren, durchzuführen, zu evaluieren, zu optimieren und zu dokumentieren.
Im Rahmen des Programms „Verbesserung der Lehre und Verkürzung der Studienzeiten“ wurden der Arbeitsgruppe begrenzte Mittel bereitgestellt, zur Hälfte aus zentralen Mitteln der Universität und zur Hälfte vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK). Die mit dieser Finanzierung verbundene Stelle wurde mit Dr. Gerd Macke besetzt, der zusammen mit Dr. Wulf Raether die Leitung der Arbeitsgruppe übernahm und später die Koordinierungsstelle des Regionalverbunds (Freiburg-Karlsruhe-Konstanz, s.u.) leitete.

Entwicklung des hochschuldidaktischen Weiterbildungsprogramms


Zur Ermittlung des Weiterbildungsbedarfs und –interesses wurde eine Fragebogenerhebung bei den Lehrenden der damals bestehenden vier Philosophischen Fakultäten durchgeführt. Auf der Grundlage der Ergebnisse wurden in den folgenden Semestern empirisch orientierte Projektseminare zu den von den Lehrenden genannten Themen (wie „Aktivieren der Studierenden“) durchgeführt. Innerhalb der Arbeitsgruppe bildeten sich kleinere Arbeitsgruppen aus Mitarbeitern/innen und Studierenden, die im Zeitraum 1993-1998 Module zu hochschuldidaktischen Themen entwickelten, erprobten und schließlich verschriftlichten.
Im Jahr 1994 wurde als erste Weiterbildungsveranstaltung „Methoden zur Förderung aktiven Lernens in Seminaren“ (Leitung Dr. Wulf Raether) entwickelt und erprobt.
Von 1994 bis 2000 hat die Arbeitsgruppe insgesamt 50 zweitägige Weiterbildungsveranstaltungen an der Universität Freiburg durchgeführt. In diesem Zeitraum haben Lehrende aus allen (damals bestehenden) 15 Fakultäten der Universität, und bei freien Plätzen auch Gäste aus anderen Universitäten Deutschlands und der Schweiz, teilgenommen.

Im Oktober 1997 und im März 1998 hat die Arbeitsgruppe ihre hochschuldidaktische Konzeption auf Tagungen vorgestellt und zum einen mit Vertretern anderer in der Hochschuldidaktik engagierten Hochschulen, zum anderen mit Vertretern von Hochschulen und Weiterbildungsträgern aus dem Dreiländereck (Frankreich, Deutschland, Schweiz) diskutiert.

Im WS 1999/2000 bot die Arbeitsgruppe als Pilotprojekt eine landesweite hochschuldidaktische Weiterbildungsveranstaltung an: Das Online-Seminar „Besser Lehren Online“ bestand aus einer eintägigen Präsenzveranstaltung zu Beginn und gegen Ende des Semesters und einem semesterbegleitenden, onlinebasierten Austausch.

Entwicklung der „Besser Lehren“-Reihe

1998 erschienen als ein Ertrag dieser Arbeit die ersten sieben Hefte der Reihe „Besser Lehren – Praxisorientierte Anregungen und Hilfen für Lehrende in Hochschule und Weiterbildung“ der Arbeitsgruppe bei BELTZ – Deutscher Studienverlag:

  • Grundlagen und Konzeption (H. 1),
  • Methodensammlung (H. 2, 2. Auflage 2000),
  • Methoden zur Förderung aktiven Lernens in Seminaren (H. 3, 2. Auflage 2001),
  • Kommunikation in Seminaren (H. 4),
  • Lehrstrategien: Aspekte der methodischen Strukturierung von Seminaren (H. 5, 2. Auflage 2002),
  • Förderung studentischer Lern- und Arbeitsformen (H. 6) und
  • Lösungsorientierte Beratung durch Expertengestützten Erfahrungsaustausch (H. 7).


2000 folgten drei weitere Hefte:

  • Evaluation der Lehre – ein Beitrag zur Qualitätssicherung (H. 8),
  • Lehrveranstaltungen mit Tutorat – Praxis und Möglichkeiten der Organisation (H. 9) und
  • Mündliche Hochschulprüfungen Vorbereiten – Durchführen – Bewerten – Beraten (H. 10).


Zusammenschluss der Landesuniversitäten und Gründung des „Hochschuldidaktikzentrum Baden-Württemberg“

Im Jahr 2001 haben sich auf Initiative des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst die neun Landesuniversitäten in einem „Hochschuldidaktikzentrum Baden-Württemberg“ (HDZ) zusammengeschlossen. Mit einer Anschubfinanzierung über die Dauer von fünf Jahren förderte das MWK den Aufbau des HDZ (Personalkosten der Koordinierungsstellen sowie Programmmittel). Die Universitäten stellten die lokalen Ressourcen und Strukturen (Personal- und Sachmittel).
Somit wurden an jeder Landesuniversität eine Arbeitsstelle Hochschuldidaktik eingerichtet bzw. Strukturen überführt, Synergien bereits bestehender hochschuldidaktischer Angebote gebildet und das ministerielle „Baden-Württemberg-Zertifikat für Hochschuldidaktik“ entwickelt. Es umfasst ein hochschuldidaktisches Qualifizierungsprogramm, das sich an internationalen Standards und aktuellen Entwicklungen der Hochschuldidaktik orientiert, über die Landesgrenzen hinweg großes Renommee gewonnen und anderen hochschuldidaktischen Programmen als Modell gedient hat.
Im Herbst 2003 konnte erstmals das „Baden-Württemberg-Zertifikat für Hochschuldidaktik“ durch Herrn Minister Prof. Dr. Peter Frankenberg (ahd-Tagung, Stuttgart) an die ersten Absolventinnen und Absolventen verliehen werden.

 


 
In den ersten Jahren (bis Mitte 2005) war das landesweite Netzwerk in drei Regionalverbünde mit jeweils einem Koordinator (Freiburg, Mannheim und Stuttgart) und neun lokalen Arbeitsstellen an den Universitäten untergliedert.
In der Aufbauphase wurde das HDZ durch einen Programmbeirat (drei internationale Experten, Rektoratsmitglieder der Universitäten, zwei Vertreter des akademischen Mittelbaus und einem studentischen Vertreter) unterstützt.
Mit Ende der Förderphase und nach einer positiven Evaluierung (durch die EVALAG, 2005) wurde das HDZ durch die neun Universitäten übernommen, eigenständig fortgeführt und finanziert (Abschluss erster Kooperationsvertrag der Universitäten, 01.01.2007). Die ursprüngliche Struktur (Lenkungsausschuss mit Prorektoren für Lehre – Regionalstellen – Arbeitsstellen und wissenschaftlichem Beirat) wurde weitgehend beibehalten. Nachdem bereits im Jahr 2007 eine Reduktion auf zwei Regionalverbünde stattgefunden hatte, wurde die regionale Zwischenebene im Jahr 2009 zugunsten einer stärkeren Vernetzung aller Universitäten aufgelöst und eine Geschäftsstelle des HDZ (bei der Landesrektorenkonferenz) für zentrale Aufgaben eingerichtet.

Am 11.11.2011 wurde das 10-jährige Bestehen des HDZ mit einer Feierstunde im Haus zur Wirtschaft in Stuttgart begangen. Die ehemaligen Koordinatoren der Regionalverbünde (Dr. Sabine Brendel, Dr. Karin Kaiser und Dr. Gerd Macke) gaben einen Rückblick auf die ersten Jahre eines damals einmaligen Vorhabens (landesweites Netzwerk mit einem gemeinsamen Qualifizierungsangebot). Prof. Dr. Carolin Kreber (University of Edinburgh) unterstrich mit ihrem Festvortrag zur Authentizität von Lehrenden den Ansatz, den das HDZ erfolgreich verfolgt.

Eine erneute Evaluation im Jahr 2011 bescheinigte dem HDZ: „Die Idee und die Umsetzung des HDZ sind von herausragender Qualität und sichern Baden-Württemberg konkurrenzlos die Spitzenstellung in Fragen der Hochschuldidaktik unter allen Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland. Die Vernetzung der Universitäten und die Arbeit an einem gemeinsamen Qualifizierungsprogramm für alle Universitäten und innerhalb dieser für alle Fakultäten sind gerade in Zeiten sich steigernden Konkurrenzkampfes zwischen den Universitäten richtungweisend.“ (Gutachten der Evaluierungsgruppe, 2012)

 
Fortführung der Hochschuldidaktik an der Universität Freiburg


In den ersten Jahren nach Gründung des HDZ blieb die Arbeitsstelle Hochschuldidaktik am Institut für Erziehungswissenschaft angesiedelt und entwickelte durch die Anbindung an den Lehrstuhl von Prof. Dr. Klaus-Peter Wild (Abt. Unterrichtsforschung und Weiterbildung) ihre pädagogisch-psychologische Ausrichtung.
Mit der Gründung des Zentrenverbunds für Studienreform und Weiterbildung (2005) unter Prorektor Karl-Reinhard Volz hat sich die Arbeitsstelle Hochschuldidaktik mehr und mehr zu einem zentralen Ansprechpartner für Lehrende und Institute an der Universität Freiburg entwickelt, was mit einer direkten Zuordnung zum Prorektor für Lehre im Jahr 2007 unterstützt wurde.
Ebenfalls im Jahr 2007 fand der landesweite Tag der Lehre mit dem Thema "Kompetenzorientiert Lehren - Die Rolle der Lehrenden nach Bologna" an der Universität Freiburg statt, der (mit der Verleihung des Landeslehrpreis an Prof. Dr. Heiner Schanz (seit 2009 Vizerektor und Prorektor für Lehre) sowie des Baden-Württemberg-Zertifikats an 15 Lehrende der Universität Freiburg) die zunehmende Bedeutung der Hochschuldidaktik unterstrich.
Zum 01.04.2010 wurden die Einheiten im Bereich „Studium und Lehre“ neu strukturiert, und die Stabsstelle Lehrentwicklung und Lehrqualität aufgebaut, die dem Vizerektor/Prorektor für Lehre untersteht und in diese die Hochschuldidaktik als eine Abteilung integriert ist.

In den vergangen Jahren erweiterte sich das Tätigkeitsprofil der Hochschuldidaktik an der Universität Freiburg, bspw. wurde im Kontext der Exzellenzinitiative eine Kooperation mit der Internationalen Graduiertenakademie (IGA) im Bereich des fächerübergreifenden Angebots für Doktoranden aufgebaut. Zudem hat sich die Nachfrage nach der Begleitung von Lehr- und Curriculumentwicklung in Studiengängen verstärkt. Darüber hinaus wurden ein E-Learning-Qualifizierungsprogramm für Lehrende in Kooperation mit der Servicestelle E-Learning sowie im Kontext des Berufungsleitfaden das Konzept für ein Lehrkompetenzportfolio entwickelt.

Parallel dazu blieb das hochschuldidaktische Weiterbildungs- und Beratungsangebot eine wichtige Säule, so dass im Jahr 2013 das 100. Baden-Württemberg-Zertifikat an der Universität Freiburg verliehen wurde.

 



 

Unter freundlicher Mithilfe von Dr. Gerd Macke und Dr. Wulf Raether,
weitere Quellen: Selbstbericht des HDZ (2013)

 

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